IP-Rückverfolgung: Auf der Jagd nach Verletzern des Urheberrechts

Mittels IP-Rückverfolgung können Abmahnkanzleien Filesharer finden.
Mittels IP-Rückverfolgung können Abmahnkanzleien Filesharer finden.

Wenn Sie im Internet unterwegs sind, sehen andere Internetnutzer und die Administratoren von Webseiten normalerweise nicht Ihren realen Namen oder gar Ihre Wohnadresse. Gehen Sie ins Internet, kriegen Sie von Ihrem Dienstanbieter immer eine sogenannte IP-Adresse zugeteilt, unter der Sie im Netz sichtbar sind.

Auch wenn Sie im Internet illegale Dinge wie Filesharing von urheberrechtlich geschützten Daten betreiben, kann man dabei Ihre jeweilige IP-Nummer erkennen. Und unter Umständen ist es möglich, von dieser Adresse auf Ihre eigentliche Identität zu schließen.

Davon machen diverse Urheberrechtskanzleien Gebrauch, um Abmahnungen wegen Filesharing zu versenden. Doch wie funktioniert diese IP-Rückverfolgung genau? Und welche Möglichkeiten räumt das Gesetz den Abmahnkanzleien dazu ein? Das erfahren Sie hier.

Was ist eine IP überhaupt?

Die IP-Rückverfolgung kommt bei illegalen Downloads zum Einsatz.
Die IP-Rückverfolgung kommt bei illegalen Downloads zum Einsatz.

Der Begriff IP steht für “Internet Protocol”. Dieses Netzwerkprotokoll weist jedem Rechner, der sich mit dem Internet verbindet, eine Nummer zu. So eine Nummer ist notwendig, damit Rechner und Server, die miteinander Daten austauschen wollen, sich gegenseitig auffinden können.

Diese IP-Adresse besteht aus vier Zahlen, die mit Punkten voneinander getrennt sind. Üblicherweise erhält ein bestimmter Rechner von seinem Internetdienstanbieter (auch: Provider) immer dann eine neue Adresse, wenn er sich vom Internet trennt und danach wieder neu einwählt. Diese Adressen werden daher als “dynamisch” bezeichnet.

Wie funktioniert die Rückverfolgung einer IP-Adresse?

Möchte eine Abmahnkanzlei herausfinden, welche Personen gegen das Urheberrecht Ihrer Mandanten verstoßen haben, geht sie bei der IP-Rückverfolgung folgendermaßen vor:

Eine Rückverfolgung der IP-Adresse ist die Voraussetzung für eine Abmahnung.
Eine Rückverfolgung der IP-Adresse ist die Voraussetzung für eine Abmahnung.
  1. Mittels spezieller Software kann sich eine Abmahnkanzlei in das Netzwerk von Filesharern einklinken und herausfinden, unter welcher IP-Nummer urheberrechtlich geschützte Daten Ihrer Mandanten zum Download bereitgestellt werden.
  2. Die abmahnende Kanzlei kann mit dieser IP zunächst eine Rückverfolgung bis zum Provider durchführen, über den der Urheberrechtsverletzer ins Internet geht.
  3. Sobald die Kanzlei mehrere Urheberrechtsverletzer einem bestimmten Internetdienstanbieter zuordnen kann, beginnt sie mit einem sogenannten zivilrechtlichen Auskunftsverfahren. Dabei ist der Provider dazu verpflichtet, dem Rechteinhaber – beziehungsweise seiner Kanzlei – die Namen und Adressen aller Rechteverletzer mitzuteilen.
  4. Hat die abmahnende Kanzlei die Adressen derjenigen Internetnutzer mittels IP-Rückverfolgung in Erfahrung gebracht, welche das Urheberrecht ihrer Mandanten verletzt haben, versendet Sie Abmahnungen.
Filesharing mit Tarnkappe

Manche Filesharing-Programme bieten die Möglichkeit an, die wahre IP-Adresse des Internetnutzers zu verschleiern, indem Sie eine Art virtuelle IP-Nummer erzeugen, unter welcher der Nutzer sich im Netz zu erkennen gibt. Eine IP-Rückverfolgung ist mit dieser Technik kaum möglich.

Darf eine Kanzlei Anschlussinhaber ermitteln?

Der BGH fällte zur IP-Rückverfolgung ein wichtiges Urteil.
Der BGH fällte zur IP-Rückverfolgung ein wichtiges Urteil.

Der Bundesgerichtshof (BGH) fällte am 19.4.2012 ein wichtiges Urteil (Az. I ZB 80/11) zum Thema IP-Rückverfolgung. Demnach ist ein Provider gegenüber dem Inhaber von Urheberrechten – beziehungsweise dessen Kanzlei – dazu verpflichtet, Name und Anschrift von Kunden mitzuteilen, welche illegal urheberrechtlich geschütztes Material zum Download in Tauschbörsen angeboten haben.

Dabei beruft sich der BGH auf den Auskunftsanspruch bei Urheberrechtsverletzungen, der in § 101 Absatz 2 Satz 1 Nummer 3 des Urheberrechtsgesetzes (UrhG) auch auf bestimmte Dienstleister übertragen wird. Dort heißt es:

(2) In Fällen offensichtlicher Rechtsverletzung oder in Fällen, in denen der Verletzte gegen den Verletzer Klage erhoben hat, besteht der Anspruch unbeschadet von Absatz 1 auch gegen eine Person, die in gewerblichem Ausmaß
[…]
3. für rechtsverletzende Tätigkeiten genutzte Dienstleistungen erbrachte

Nach Ansicht des BGH erbringen die Anbieter von Internetdiensten also dann Dienste für rechtsverletzende Tätigkeiten in gewerblichem Ausmaß, wenn sie Filesharern einen Internetzugang bereitstellen. Dabei muss nicht einmal der Verletzer des Urheberrechts selber in gewerblichem Ausmaß handeln, weshalb das Urteil auch kritisch gesehen wird.

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