Abmahnung: Welche Kosten kommen auf Sie zu?

Bei illegalem Filesharing kann eine Abmahnung viel Geld kosten.
Bei illegalem Filesharing kann eine Abmahnung viel Geld kosten.
Sie gehören zu den unangenehmen Überraschungen jedes Internetbesitzers: Abmahnungen wegen illegalem Filesharing. Vielleicht hat eines Ihrer Familienmitglieder oder einer Ihrer Mitbewohner im Internet urheberrechtlich geschütztes Material in Tauschbörsen geteilt. Oder Sie selber wollten sich die Kosten fürs Kino sparen und haben sich den neuesten Hollywood-Blockbuster einfach über Filesharing besorgt.

Da es sich hierbei um einen Verstoß gegen das Urheberrecht handelt, versucht der Rechteinhaber nun, durch eine spezialisierte Kanzlei gegen Sie vorzugehen. In dem Brief, den Sie erhalten haben, finden Sie neben der Abmahnung und einer Unterlassungserklärung auch eine Abrechnung für die Abmahnkosten sowie eventuell sogar eine Forderung von Schadensersatz.

Eines ist Ihnen sofort klar: So eine Abmahnung wegen Urheberrechtsverletzung kann hohe Kosten verursachen. Doch was wird dabei genau von Ihnen gefordert? Wie setzen sich diese Kosten zusammen und können Sie etwas tun, um diese zu senken? Das alles erfahren Sie hier.

Abmahnung wegen Filesharing: Übersicht der Kosten

Was eine Abmahnung prinzipiell an Kosten verursachen kann, haben wir zwecks besserer Übersicht für Sie in dieser Tabelle zusammengefasst. Diese Angaben sind jedoch ohne Gewähr und dienen lediglich als grobe Orientierung, weil die konkreten Kosten von Fall zu Fall teils deutlich variieren können.

Welche Kostenpunkte für Sie relevant sind, hängt davon ab, wie der Fall sich für Sie konkret entwickelt.

KostenpunktErläuterungIn der Regel anfallende Kosten
Anwaltskosten für AbmahnungEin wichtiger Punkt der Abmahnkosten sind die Anwaltskosten einer Abmahnung. Sie orientieren sich vor allem an der Höhe des Streitwertes.104,20 Euro (bei Streitwert von 1.000 Euro)
AuslagenpauschaleBei einer Abmahnung können zusätzlich Kosten gefordert werden, um Porto, Telefongebühren etc. der Kanzlei zu finanzieren.20 Euro (bei Streitwert von 1.000 Euro)
ErmittlungsgebührDie Kosten, welche die Kanzlei aufbringen musste, um Sie als Anschlussinhaber zu ermitteln.20 - 60 Euro
SchadensersatzDie Abmahnung kann zusätzliche Kosten verursachen, wenn der Inhaber der Urheberrechte zusätzlich einen Schadensersatz von Ihnen fordert.100 - 1.000 Euro
ProzesskostenReagieren Sie nicht auf eine Abmahnung, können zusätzlich Kosten für eine einstweilige Verfügung oder ein gerichtliches Verfahren auf Unterlassung beziehungsweise Schadensersatz anfallen.1.000 – 3.000 Euro (Gerichtsgebühren plus Anwaltskosten)
Anwaltskosten für Beratung und ggf. VerteidigungSchalten Sie einen Anwalt ein, der in diesem Rechtsstreit Ihre Interessen vertritt, müssen Sie für dessen Kosten aufkommen.meist abhängig vom Streitwert
VertragsstrafeHaben Sie sich zur Unterlassung von Filesharing verpflichtet und verstoßen dennoch gegen das Urheberrecht bestimmter Werke, müssen Sie eine Strafe zahlen, weil Sie den Unterlassungsvertrag gebrochen haben.z.B. 5.100 Euro

Gerade die Unterlassungserklärung kann sich als tückisch erweisen: Unterzeichnen Sie diese in der Version, die Ihnen die abmahnende Kanzlei zusendet, dann kann Ihnen später eine hohe Vertragsstrafe drohen, wenn es wieder zu illegalem Filesharing über Ihren Anschluss kommt. Sie sollten daher nur eine modifizierte Unterlassungserklärung unterzeichnen.

Wie erreichte der Gesetzgeber eine Deckelung der Abmahnungskosten?

Ein wesentlicher Punkt bei einer Abmahnung sind die Kosten für den Anwalt der abmahnenden Kanzlei. Seit der großen Abmahnwelle um das Jahr 2010 herum bemühte sich der Gesetzgeber darum, den überbordenden Abmahnkosten eine Deckelung zu verpassen. Dies geschah mit der Reform des Urheberrechtsgesetzes (UrhG), die am 9.10.2013 in Kraft trat. Dort heißt es in § 97a Absatz 3 Satz 2:

Für die Inanspruchnahme anwaltlicher Dienstleistungen beschränkt sich der Ersatz der erforderlichen Aufwendungen hinsichtlich der gesetzlichen Gebühren auf Gebühren nach einem Gegenstandswert für den Unterlassungs- und Beseitigungsanspruch von 1 000 Euro.

Bei einer Abmahnung kann ein Anwalt die Kosten für die Abmahnung reduzieren.
Bei einer Abmahnung kann ein Anwalt die Kosten für die Abmahnung reduzieren.
Da sich die Anwaltskosten in erster Linie nach dem Gegenstandswert der Abmahnung richten, werden durch diese Gesetzesänderung die bei einer Abmahnung zulässigen Kosten gedeckelt.

Allerdings gilt das Gesetz nur dann, wenn die abgemahnte Person das Filesharing nicht zu gewerblichen Zwecken betrieben (§ 97a Abs. 3 S. 2 Nr. 1 UrhG) und beispielsweise Geld von anderen Filesharern verlangt hat. Die Deckelung der Anwaltskosten ist auch dann hinfällig, wenn die Person bereits zur Unterlassung des Filesharings verpflichtet ist (§ 97a Abs. 3 S. 2 Nr. 1 UrhG).

Wie können Sie bei einer Abmahnung die Kosten senken?

Sie können verhindern, dass – nach einem Verstoß gegen das Urheberrecht – eine Abmahnung zu hohe Kosten verursacht. Obwohl es in den letzten Jahren eine Reihe von Gesetzen und Urteilen gab, welche die Möglichkeiten der Abmahnindustrie einschränkten, versuchen abmahnende Kanzleien immer noch, von ahnungslosen Bürgern zu hohe Summen zu fordern.

Von daher sollten Sie bei einer Abmahnung wegen Filesharing immer einen spezialisierten Rechtsanwalt einschalten, der überprüfen kann, welche Forderungen gerechtfertigt sind oder nicht. Dies betrifft sowohl die Abmahnkosten selber als auch eventuelle Forderungen auf Schadensersatz. Er kann außerdem eine modifizierte Unterlassungserklärung erstellen, welche im Falle einer Wiederholungstat eine niedrigere Vertragsstrafe vorsieht. Es ist allerdings notwendig, den Anwalt bereits innerhalb der in der Abmahnung angegebenen Frist zu kontaktieren.

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