Urheberrecht: Für welche Dauer gilt der Schutz?

Beim Urheberrecht ist die Dauer nicht pauschal zu benennen.
Beim Urheberrecht ist die Dauer nicht pauschal zu benennen.

Das Urheberrecht befasst sich mit der juristischen Beziehung zwischen einem Urheber und seinem Werk. Zentrale Elemente sind dabei der Schutz vor einer widerrechtlichen Verwertung und die Möglichkeit ein entsprechendes Fehlverhalten abzumahnen. Dies führt allerdings auch dazu, dass die Nutzung der Werke für die Allgemeinheit gewissen Einschränkungen unterliegt.

Um dennoch die kulturelle Weiterentwicklung zu gewährleisten und die Vielfalt der Künste zu fördern, hat der Gesetzgeber das Urheberrecht in seiner Dauer beschränkt. Ist die gesetzlich definierte Gültigkeitsdauer verstrichen, gilt das jeweilige Werk als gemeinfrei.

Doch für welche Dauer besteht das Urheberrecht? Unterscheidet sich die Verjährung je nach Werkart? Und was bedeutet „gemeinfrei“? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der nachfolgende Ratgeber.

Wie lange gilt das Urheberrecht?

Die Schutzfrist im Urheberrecht beläuft sich auf 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers.
Die Schutzfrist im Urheberrecht beläuft sich auf 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers.

Erfüllen Werke der Literatur, Wissenschaft oder Kunst die Kriterien einer persönlich geistigen Schöpfung, fallen diese automatisch unter den Schutz des Urheberrechts. Einer Anmeldung – wie es zum Beispiel beim Patent nötig ist – oder einer besonderen Kennzeichnung – wie ein Copyright-Vermerk – bedarf es daher nicht.

Der Gesetzgeber räumt dem Schöpfer durch das Urheberrecht verschiedene Privilegien ein. Dazu zählen unter anderem die Verwertungsrechte, durch welche es Dritten untersagt ist, ein Werk ohne das Einverständnis des Urhebers zu nutzen. Allerdings ist dieser Schutz beim Urheberrecht in seiner Dauer beschränkt.
16.08.2017
Wie lange die Schutzfrist beim Urheberrecht andauert, ergibt sich aus dem Urheberrechtsgesetz (UrhG). In § 64 UrhG heißt es dazu:

Das Urheberrecht erlischt siebzig Jahre nach dem Tode des Urhebers.

Das bedeutet, dass sich beim Urheberrecht die Gültigkeitsdauer nicht auf eine bestimmte Anzahl von Jahren nach der Entstehung des Werkes festlegen lässt. Stattdessen ergibt sich die Schutzdauer nach der tatsächlichen Lebensdauer des Urhebers und seinem Alter bei der Fertigstellung.

Gemeinfreie Werke

Ist beim Urheberrecht die Dauer der Schutzrechte abgelaufen, gelten die jeweiligen Werke als gemeinfrei. In diesem Fall ist die Verwertung ohne die Genehmigung des ehemaligen Rechteinhabers möglich. Die Zahlung einer Gebühr entfällt ebenfalls. Die rechtliche Grundlage für eine Abmahnung durch den Urheber – zum Beispiel bei Filesharing – besteht somit nicht mehr.

Urheberrecht: Beispielrechnung zur Dauer

Ausnahme im Urheberrecht: Bei Lichtbildern erlischt es nicht nach 70 Jahren.
Ausnahme im Urheberrecht: Bei Lichtbildern erlischt es nicht nach 70 Jahren.

Wie zuvor bereits erwähnt, hängt beim Urheberrecht die Dauer des Schutzes maßgeblich vom Schöpfer ab. Hat ein Autor zum Beispiel mit 25 Jahren einen Roman geschrieben, welcher die Kriterien des Urheberrechtsschutzes erfüllt, und ist mit 85 Jahren verstorben, umfasst die Gültigkeitsdauer insgesamt 130 Jahre.

Verfasst derselbe Autor ein weiteres Werk im Alter von 75 Jahren, steht dieses nur für insgesamt 80 Jahre unter dem Schutz des Urheberrechts.

Nach dem Tod des Autors geht das Urheberrecht für 70 Jahre auf seine Erben über. Diese können in diesem Zeitraum über die Verwertung der Vervielfältigungsrechte entscheiden, Dritten ggf. Nutzungsrechte einräumen und Urheberrechtsverletzungen abmahnen.

Achtung bei der Berechnung!

Beim Urheberrecht wird die Dauer des Schutzes nicht ab dem Todestag des Urhebers berechnet. Gemäß § 69 UrhG beginnt die Frist erst mit dem Ablauf des Kalenderjahres.

Besonderheiten bei der Dauer des Urheberrechts

In der Regel bleibt das Urheberrecht für die Dauer von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers bestehen. Allerdings sieht der Gesetzgeber bei Licht- und Laufbildern eine geringere Schutzdauer vor. Diese beträgt 50 Jahre nach der Veröffentlichung. Erfolgte diese nicht, beginnt die Frist mit der Herstellung.

Licht- und Laufbilder

Als Lichtbilder werden Fotografien bezeichnet, welche nicht die Kriterien für ein urheberrechtlich geschütztes Werk erfüllen. Gleiches gilt für Laufbilder, allerdings umfasst dieser Begriff Bild- und Tonfolgen. In der Regel handelt es sich dabei um Aufnahmen aus dem privaten und familiären Bereich bzw. um Aufnahmen, welche dem Dokumentationszweck dienen.

Eine besondere Vorgehensweise gilt auch bei Werken, deren Urheber bzw. Lebensdaten unbekannt sind. Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn die Veröffentlichung der Schöpfung unter einem Pseudonym oder anonym erfolgte. Ist eine für das Urheberrecht und seine Dauer entscheidende Datierung nicht möglich, greift gemäß § 66 Abs. 1 UrhG folgende Regelung:

Bei anonymen und pseudonymen Werken erlischt das Urheberrecht siebzig Jahre nach der Veröffentlichung. Es erlischt jedoch bereits siebzig Jahre nach der Schaffung des Werkes, wenn das Werk innerhalb dieser Frist nicht veröffentlicht worden ist.

Lässt sich der Urheber allerdings aufgrund von Nachforschungen oder einer Offenbarung zweifelsfrei identifizieren, greift die ursprüngliche Schutzfrist.

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